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Anonym

16.02.2005,
09:22 Uhr
 

Selbstbewusstsein stärken (Eltern)

Hallo zusammen
Wir sind eine kleine Familie aus dem Kölner Raum. Unsere Tochter ist jetzt 6 Jahre alt und hat eine einseitige LKGS Spalte. Nach der behüteten Zeit Zuhause und im Kindergarten geht jetzt "der Ernst des Lebens" los, d.h. Sie wurde letzte Woche eingeschult. Was uns seit einiger Zeit beschäftigt, ist die Frage, wie wir unserer Tochter helfen können ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, welche Hilfestellungen können wir ihr geben, damit sie sich bei den bestimmt aufkommenden Probelmsituationen behauptet und sich nicht zu sehr zurückzieht?
Uns würde auch sehr interssieren welche "Abwehrstrategien" die jugendlichen Betroffenen entwickelt haben.
Wir freuen uns auf jede Antwort und verbleiben bis dahin mit den besten Grüssen

Charles

18.05.2005,
21:50 Uhr

@ Anonym
 

Selbstbewusstsein stärken

Lieber Udo

Ich habe Deinen Beitrag soeben gelesen, und Du hast noch gar keine Antwort erhalten. Meine Antwort wäre die folgende: warum glaubst Du, dass das Selbstbewusstsein Deiner Tochter speziell gestärkt werden muss? Ich habe mir das Bild betrachtet, das Du angegeben hast. Was hast doch Du für eine süsse Tochter! Warum sollte es ihr an Selbstbewusstsein fehlen, und was hat das mit der ehemaligen Spalte zu tun? Spricht sie allenfalls etwas undeutlich?

Im übrigen müssten alle Eltern sich überlegen, wie sie das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken wollen. Ein Kind hat rote Haare, also kann es allenfalls gehänselt werden, das andere spricht eine ortsfremde Mundart, und, hoppla, schon wird es gehänselt. Der andere ist etwas klein geraten und und und. Was ich damit sagen will: jedes Kind kann "Opfer" einer Hänselei werden. Das hat mit LKG-Spalten vorerst einmal nichts zu tun. Aber vielleicht verstehe ich Deine Frage schlicht nicht.

Alles Gute für Dich und Deine Tochter. Die wird das ganz gut machen!!:-)

kleinrechner

01.06.2005,
23:01 Uhr

@ Charles
 

Selbstbewusstsein stärken

Hallo,
ich war vor ca. einem Jahr, kurz bevor das Forum gesperrt wurde, schon einmal hier und habe es jetzt wieder gefunden ;-)
Als ich diesen Beitrag und die Antwort gelesen habe, dachte ich mir, dass ich vielleicht doch mal eine kleine Geschichte erzählen muss!

Wie man in dieser Antwort Lesen kann (und ich auch schön an anderen Stellen des öfteren gehört hab), vertreten viele Eltern die Ansicht, Ihre dass Spaltenkinder Kinde wie jede anderen auch sind oder die Ansicht, dass weil die Spalte ja nicht mehr vorhanden (weil bereits geschlossen) ist und deshalb auch das eigene Kind ein Kind wie jedes andere ist! Ich bin mir sicher, dass alle Eltern nur das Beste für ihr Kind wollen und dass sie ihr kind auch als "normal" ansehen (das ist zumindest normalerweise so, ich weis es gibt auch ausnahmen, auf diese gehe ich hier aber lieber nicht ein...), das Kind wird sich auch als Normal ansehen, es kennt sich selber ja nicht anders, warum sollte es dann denken, dass es anders ist, als andere?!?
Wie ich schon geschrieben habe, ich bin mir sicher, dass alle Eltern mit dieser Ansicht ihrem Kind nur gutes wollen, leider ist diese Ansicht unrealistisch! So leid es mir tut! Das Problem ist nämlich nicht, dass das Kind sich anders sieht (es sieht sich nämlich normalerweise nicht anders, warum auch). Medizinisch (ich bin selbst kein mediziner) gesehen ist die Spalte auch bereits nicht mehr existent und ich stimme in dieser Hinsicht den Eltern voll und ganz zu, das Kind nicht mehr und nicht weniger Intelligent, Sportlich, Künstlerisch oder was auch immer, als andere Kinder! Das Problem an der ganzen Sache ist die, das dem anderen Jungen auf dem Pausenhof das alles ziemlich egal ist!!
Er ist sich dessen nicht bewusst, dass die Spalte bereits operiert wurde und medizinisch nicht mehr vorhanden ist, was er sieht ist, dass im Gesicht etwas anders aussieht, als bei ihm, alles andere ist irrelevant!
Ich stimme meinem Vorredner zu, das Kinder wegen allem möglichen gehänselt werden, weil sie zu gross, zu klein, zu dick oder zu dünn sind, allerdings ist eine Spalte etwas sehr offensichtliches, was im Gesicht sofort auffällt und da ein Kind wohl kaum wissen wird, was es ist, ist es für ihn anders!
Ich will hiermit wirklich niemanden zunahe treten, ich wollte nur meine Ansicht, als selber betroffener zu der Ansicht vieler Eltern (wie ich es bis jetzt gelesen haben) schreiben!
Ich finde es deshalb es sehr gut, das der Thread-Ersteller, seinem Kind Selbstvertrauen beibringen will, damit es über solche "Jungen im Pausenhof" steht! Zur Verdeutlichung will ich vielleicht kurz (meine Beträge werden immer etwas länger, auch wenn ich mich eigentlich kurz fassen will ;-) ) eine Geschichte erzählen.
Als Kind (sagen wir mit ca. 10 Jahren) hatte ich überhaupt kein Selbstbewusstsein, ich war nicht gut in Sport (waren meine Eltern auch nie), in der Schule war ich ziemlich scheisse (welcher Junge in dem Alter hat schon lust zu lernen ;-) ) und dann natürlich noch die Sache mit der Spalte... also Selbstbewusstsein war also überhaupt nicht vorhanden. Mit ca. 12 Jahren bin ich dann zu einem (mehr oder weniger) neuen Hobby gekommen. Ich hatte mich damals viel damit beschäftigt, weil es mir ganz einfach Spass gemacht hat und weil ich mich dafür interessiert hatte. Dadurch kamm es natürlich auch, dass ich mich mit der Zeit ziemlich gut (das ist natürlich alles sehr relativ, aber für ein 12jähriges Kind damals sehr gut), damit auskannte. Dadurch, dass ich damals im Prinzip auch der einzige war, der sich damit beschäftigt hat (zumindest so intensiv), ist auch mein Selbstbewusstseint gestiegen. Das liegt einerseits daran, dass ich durch mein Hobby einfach ganz alleine was zusammen gebracht hab und auchnoch etwas, was viele andere überhaupt nicht können! Ich wurde dadurch auch besser in der Schule, wobei ich jetzt allerdings nicht sagen kann, ob es an meinem Hobby lag oder daran, dass ich mehr Selbstbewusstsein hatte ;-)
Dadurch hatte ich dann natürlich auch wieder andere Freunde gefunden (die sich damit auch ein wenig beschäftigt hatten), wodurch natürlich auch wieder mein Selbstbewusstsein gestiegen ist!

kleinrechner

01.06.2005,
23:02 Uhr

@ Charles
 

Selbstbewusstsein stärken

(Man muss allerdings dazu sagen, dass wenn man älter wird und je nach Schule lässt das natürlich auch nach. Es gab dann in der 10. noch einen einzigen, der ständig meinte, mich verarschen zu müssen, aber damals hatte ich dann auch Freunde, die zu mir geholfen haben und seit dem habe ich im Prinzip damit keine Problem mehr gehabt)
Später hab ich dann auch mein Hobby zum Beruf gemacht und in dem Arbeite ich heute noch! Ich muss auch sagen, dass ich mittlerweile dadurch auf stolz auf mich bin (ich hoffe, das klingt nicht irgendwie blöd).

Mittlerweile bin ich 22. Wenn ich mir meine jetzige Situation anschaue, muss ich sagen, dass es zwiespältig ist. Durch die spätere schulische Laufbahn und letztendlich natürlich hauptsächlich durch meinen jetzigen Beruf, habe ich auf jeden Fall sehr viel Selbstvertrauen dazu gewohnen und bin jetzt viel Selbstsicherer (einige Leute bezeichnen mich auch als Arrogant, weil ich mich einfach von den Leuten, die mich damals gehänselt haben distanziere, weil ich einfach finde, dass ich es nicht nötig habe, mit mit leuten abzugeben, die andere Leute nur auf das Aussehen reduzieren und deshalb mit diesen Leute nichts zu tun haben möchte!).
Andererseits muss ich sagen, dass ich zwar unter Leuten, die ich kenne sehr gesprächig bin, ich mich allerdings überhaupt nicht traue fremde Menschen anzusprechen und ich auch in gegenwart von fremden Menschen extrem Zurückhaltend bin (ist auch schon vielen Freunden von mir aufgefallen).
Es ist also wirklich sehr zwiespältig, ich habe zwar einerseits viel Selbstbewusstsein bekommen, andererseits traue ich mich immer noch nicht, auf andere Menschen zuzugehen...

So, um nun auf das eigentliche Thread-Thema zurück zu kommen! ;-)
Ich hab damals dadurch selbstbewusstsein bekommen, weil ich etwas alleine(!) ohne Fremde hilfe geschafft habe und auch noch etwas, was viele andere Leute nicht können (zumindest damals)!
Nun an den Thread-Ersteller. Ich denke, es ist klar, das man einem Kind das Selbstvertrauen nicht "einlöffeln" kann und wirklich beibringen kann man es wohl auch nicht, von daher sieht es so aus, als dass man da wohl nicht so viel machen kann. Ich denke allerdings, dass es möglich ist, einem Kind möglichkeiten zu geben, etwas selber zu machen, dass es merkt, dass es etwas alleine schaffen kann, wenn es nur will! Ich denke also, wirklich immer versuchen deinem Kind Aufgaben zu stellen und diese alleine (ganz wichtig!) lösen zu lassen und wenn die Aufgabe richtig gelöst wurde natürlich loben!

So, mein Thread ist (wie bereits angekündigt ;-) ) doch etwas länger geworden, ich hoffe, dass ich mit dieser Geschichte vielleicht doch ein paar Eltern etwas helfen konnte und ich finde es auf jeden Fall sehr gut, dass der Thread-Ersteller seinem Kind helfen will, Selbstbewusstsein zu erlangen, das schönreden bringt leider nichts, denn wie bereits geschrieben, dem Jungen auf dem Pausenhof interessiert das nicht!

cu
Christian

P.S.: Ich freue mich natürlich über reichlich Antworten ;-)

Charles

02.06.2005,
09:41 Uhr

@ kleinrechner
 

Selbstbewusstsein stärken

» P.S.: Ich freue mich natürlich über reichlich Antworten ;-)

Lieber Kleinrechner

Vielen Dank für die sehr ausführliche Antwort auf meinen Kurzbeitrag. Ich will ja nicht das letzte Wort haben, aber Du sprichst sehr viele Dinge an, die grundsätzlich jedes Kind erleben kann, das also mit LKGS nichts zu tun hat - mindestens nicht zwingend. Dass Du z.B. "extrem zurückhaltend" bist, ist nichts Spektakuläres, das sind Millionen andere Menschen auch.

Heute ist die Chirurgie bzw. jene Vertreterinnen und Vertreter, die wirklich etwas davon verstehen, soweit, dass sie Resultate erzielen, die beeindruckend sind. So gesehen weiss ich natürlich nicht, wie bei Dir die OP-Resultate optisch ausgefallen sind. Jedenfalls sah ich bisher einem Menschen die ehemalige Spalte nie an. Dies hat sich dadurch geändert, dass ich nun eine Tochter mit ehemaliger LKG-Spalte habe. Anders gesagt: man sieht ohnehin nur das, was man kennt. Bei meiner Tochter (sie wird bald 3) sieht man nichts - wenn man eben nichts weiss. Wer es weiss, sieht es. Ist ja auch logisch. Wenn z.B. ein Nichtfachmann in Sachen Kunstgeschichte durch Paris oder London bummelt, wird Manches gar nicht sehen und erkennen, weil er es nicht sehen "kann", da für ihn unbekannt. So ist das eben auch mit LKG-Spalten.

Selbstverständlich plädiere auch ich dafür, dass das Selbstvertrauen von Kindern gestärkt werden soll. Aber diese Erkenntnis gilt doch für alle Kinder! Ich kenne viele Kinder, die lange "im geschützten Raum" aufwachsen, sich im Sandkasten nicht durchsetzen können, und dann kommt die Tragödie spätestens im Kindergarten....schön, dass Du als Kind damals ein Hobby gefunden hast, aber bitte sehr, das sollte doch jedes Kind auch entdecken, egal, ob gesund oder weniger gesund. Hier sind v.a. die Eltern gefordert!

So gesehen haben wir, glaube ich, keine Differenzen: Stärken wir doch das Selbstvertrauen der Kinder, unabhängig davon, ob sie eine LKG-Spalte hatten, rote Haare haben oder abstehende Ohren...

Beste Grüsse und alles Gute!

kleinrechner

02.06.2005,
20:41 Uhr

@ Charles
 

Selbstbewusstsein stärken

ok, dieses mal fasse ich mich aber wirklich kurz! ;-)

Prinzipiell hast du natürlich recht, wie ich ja schon in der Nachricht verdeutlicht fällt mir allerdings auf, dass einige Eltern, die ganze Situation vielleicht doch etwas Naiv sehen. So leid es mir tut, aber ganz so einfach ist es nunmal auch wieder nicht! Ich möchte natürlich niemanden Angst machen oder so, ich denke aber, ich konnte auch zeigen, dass am Ende natürlich auch (relativ) gut ausgehen kann, aber ganz so einfach ist es halt eben doch nicht...

Du hast den Verlauf meiner Operationen angesprochen, ich denke nicht, dass es schlecht geworden ist (ich kann allerdings die heutigen Möglichkeiten nicht beurteilen...), allerdings ist es nunmal so, dass man dennoch Narben erkennen kann!

Ich denke nicht, dass man eine Spalte ganz so einfach den makeln anderer Kinder vergleichen kann, aber ich hab ja schon in der letzten Nachricht schrieben, wie ich das sehe...

Ich hoffe nur, dass ich vielleicht ein paar Eltern zeigen kann, dass es für das Kind nicht ganz einfach ist (wie ich manchmal eben den Eindruck habe, dass es einige Vermuten), dass das aber nicht heist, dass es nicht gut werden kann! (mein gott klingt das geschwollen! ;-) )

cu
Christian

simone

24.08.2007,
16:02 Uhr

@ Anonym
 

Selbstbewusstsein stärken

» Hallo zusammen
» Wir sind eine kleine Familie aus dem Kölner Raum. Unsere Tochter Lea
» http://www.walterscheidt.com/fotos/lea.jpg ist jetzt 6 Jahre alt und hat
» eine einseitige LKGS Spalte. Nach der behüteten Zeit Zuhause und im
» Kindergarten geht jetzt "der Ernst des Lebens" los, d.h. Lea wurde letzte
» Woche eingeschult. Was uns seit einiger Zeit beschäftigt, ist die Frage,
» wie wir unserer Tochter helfen können ein gesundes Selbstbewusstsein zu
» entwickeln, welche Hilfestellungen können wir ihr geben, damit sie sich bei
» den bestimmt aufkommenden Probelmsituationen behauptet und sich nicht zu
» sehr zurückzieht?
» Uns würde auch sehr interssieren welche "Abwehrstrategien" die jugendlichen
» Betroffenen entwickelt haben.
» Wir freuen uns auf jede Antwort und verbleiben bis dahin mit den besten
» Grüssen
» Fam. Walterscheidt

Hallo!
Ich weiß nicht was eine einseitige LKGS Spalte ist, aber ich glaube dir ein paar Tipps geben zu können. Aus deinem Schreiben lese ich das Wort behüten heraus, dass finde ich nicht so gut, aber dazu komme ich später noch. Ich weiß zwar nicht was eine LKGS Spalte ist, aber Sie müssen ihrem Kind vermitteln das es normal ist wie jedes andere Kind. Wenn Sie es nicht als normal sehen, wird dass Kind dies Merken und sich diese Denkweise zu eigen machen. Dies wird sie begleiten und Sie selbst empfindet sich nicht für normal, und dass wird später ihrem Kind keine Freude bereiten. Sie müssen dem Kind zeigen, dass es einzigartig und ein Unikat ist. Sie müssen sehr Liebevoll mit dem Kind umgehen und ihm Vertrauen schenken. Sie müssen dem Kind zeigen, dass es alles im Leben erreichen kann wenn es nur möchte, sofern von der Krankheit nicht unmöglich. Das Kind muss sich selbst so akzeptieren wie es ist. Wenn sie das Kind behüten, kann es kein gutes Selbstvertrauen aufbauen. Es ist wichtig für ein Kind erfolgserlebnisse zu haben, und aus Fehlern zu lernen. Denn schließlich wird das Kind auch Erfolgerlebnisse haben und nicht nur Fehltritte und wenn sie es immer behüten, hat es keine Chance in solche Situationen zu kommen.
Guter Buchtipp von Rolf Merkle So gewinne ich Selbstvertrauen.

Gruß
Simone:-D

Ritschie

07.09.2007,
21:53 Uhr

@ simone
 

Selbstbewusstsein stärken

Hallo zusammen. Ich habe vor einiger Zeit mal einen recht guten Artikel zu diesem Thema gelesen. Weil man hier leider keine Dateien anhängen kann, kopiere ich den Text mal rein (vorsicht - lang!).

1.Teil:

Zu 50 Prozent ist unser Selbstwertgefühl genetisch vorgegeben.

Das Selbstbewusstsein ist ein eigentümlicher Mechanismus unserer Psyche. Er prägt unsere Haltung, unsere Gesten, unsere Mimik, unsere Reaktionen. Wer selbstbewusst ist, kann sich besser freuen. Wenn wir uns freuen, verbessert sich unser Selbstbewusstsein. Wir werden neugieriger, interessierter, hoffnungsfroher. So können wir mehr Freude, mehr Glück und mehr Harmonie erleben und sind offener für neue Erfahrungen. Das wiederum führt dazu, dass wir wacher, lebendiger, freudiger, spontaner werden - ein Kreislauf. Ein
gutes Selbstbewusstsein weist den Weg in ein zufriedeneres Leben.
Umgekehrt macht uns ein schwaches Selbstbewusstsein mut- und antriebslos, denn wir fühlen uns unattraktiv und inkompetent. Wir meiden Herausforderungen, schämen uns dafür, werten uns weiter ab, erleben unser Leben als sinnlos. Wir
entwickeln Ängste, Schuldgefühle, Neid, Eifersucht. Die Gefahr, eine psychische Erkrankung - zum Beispiel eine Essstörung, Depression oder Persönlichkeitsstörung - zu entwickeln, ist dadurch stark erhöht.

Morris Rosenberg, ein Pionier der Erforschung des Selbstbewusstseins, fand bereits 1965 heraus, dass von Schülern, bei denen es sehr stark ausgeprägt war, vier Prozent zu Depressionen neigten - von jenen, die ein sehr schwaches Selbstbewusstsein aufwiesen, dagegen 80 Prozent. Das Bemerkenswerte: Heute wissen wir, dass der Weg in die eine oder andere Richtung bereits im Alter
von fünf Jahren im Wesentlichen vorgezeichnet ist.

Forscher erkannten, dass die durchschnittliche Stärke unseres Selbstbewusstseins, von ihnen "Selbstwertgefühl" genannt, zu etwa 50 Prozent genetisch vorgegeben ist. Ob es sich besonders positiv ausprägt oder eher schwächelt, entscheidet sich früh: Über die künftige "Alltagslage" unseres
Selbstwertgefühls bestimmen frühkindliche Prägungen (bis zum Alter von etwa fünf Jahren) mit weiteren 30 Prozent mit. Die verbleibenden 20 Prozent werden später durch Elternhaus, Freundeskreis und Schule bestimmt.
Nach Abschluss der Adoleszenz mit Anfang zwanzig hat sich die Persönlichkeit ausgebildet. Damit ist weitgehend festgelegt, in welchen Rahmen sich unser Bild von uns selbst fügt. Selbstverständlich kann sich das, was sich innerhalb dieses Rahmens ausdrückt, über die Jahre deutlich verändern. Es ist abhängig von vielen äußeren Umständen, besonders davon, wie viel Bestätigung wir in unserem jeweiligen Lebensumfeld finden können. Doch der Rahmen selbst ist kaum noch zu sprengen - allenfalls mit Hilfe einer intensiven Therapie lässt sich die Struktur der Persönlichkeit verändern.

...

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Richard mit Doris und den Kindern Johanna und Luise(LKGS rechts)

Ritschie

07.09.2007,
21:57 Uhr

@ simone
 

Selbstbewusstsein stärken

2. Teil:

Die Ausprägung unseres Selbstbewusstseins setzt unmittelbar nach der Geburt ein, doch erst im Alter von etwa zwei Jahren scheinen Kinder ein positives Selbstwertgefühl zu empfinden - sie freuen sich über Erfolge. Vor einem schlechten Selbstwertgefühl sind sie noch etwa ein halbes Jahr geschützt: Es kann im Alter von etwa zweieinhalb Jahren in ihr Leben treten. Basis des Selbstwertgefühls ist das Selbstvertrauen: Ein Säugling muss darauf bauen können, dass seine Eltern verlässlich sind, dass Bedürfnisse, die er noch nicht artikulieren kann, verstanden und befriedigt werden. Er überträgt dieses
Vertrauen auf andere Menschen und schließlich auf sich selbst: "Wenn andere vertrauenswürdig sind, dann bin ich es auch", ist die Erkenntnis. "Selbst-Vertrauen" entsteht.

Auch die Bindung an eine Bezugsperson, in der Regel die Mutter, spielt eine entscheidende Rolle für die Ausbildung eines guten Selbstbewusstseins. Voraussetzung dafür ist der angemessene Umgang mit den Stimmungen des Kindes: Die Mutter nimmt dessen Wut, Angst oder Trauer wahr, deutet sie richtig und
versteht es, das Kind zu beruhigen oder zu trösten. Kinder mit einer sicheren Bindung sind schon im Kindergartenalter besser in der Lage, Konflikte zu lösen, sie sind interessierter, fantasievoller, ausdauernder und fröhlicher.
Im Alter von fünf Jahren sind die entscheidenden Muster für den Umgang mit Emotionen gefestigt. Dem entspricht die Ausreifung des Gehirns: Die Differenzierungen im Gehirn eines Fünfjährigen entsprechen bereits zu 90 Prozent denen eines Erwachsenen. Wer bis jetzt ein gutes Selbstbewusstsein ausbilden konnte, hat die besseren Voraussetzungen für ein gutes Leben.


Ein spezifischer Ort, an dem das Selbstbewusstein seinen Sitz hat, wurde bisher nicht gefunden. Sicherlich spielen verschiedene Teile des Hirns zusammen. Auf der Suche nach unserer Persönlichkeit, den individuellen Mustern, nach denen wir unsere Emotionen verarbeiten also, haben
Neurowissenschaftler acht "Ichs" aufgespürt - an acht verschiedenen Orten im Denkorgan.

Der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth hat sie so zusammengefasst:

1. das Körper-Ich: das Gefühl, dass dasjenige, in dem ich stecke, tatsächlich mein Körper ist;

2. das Verortungs-Ich: das Bewusstsein, dass ich mich gerade an diesem Ort, nicht woanders und erst recht nicht an zwei verschiedenen Orten befinde;

3. das perspektivische Ich: der Eindruck, dass ich der Mittelpunkt der von mir erfahrbaren Welt bin;

4. das Ich als Erlebnis-Subjekt: das Gefühl, dass ich diese Wahrnehmungen, Ideen, Gefühle habe, nicht etwa ein anderer;

5. das Autorschafts- und Kontroll-Ich: das Gefühl, dass ich Verursacher und Kontrolleur meiner Gedanken und Handlungen bin;

6. das autobiografische Ich: die Überzeugung, dass ich heute derjenige bin, der ich gestern war, und dass ich eine Kontinuität meiner Gefühle erlebe;

7. das selbst-reflexive Ich: die Möglichkeit des Nachdenkens über mich selbst;

8. das ethische Ich: mein Gewissen, das sagt, was ich zu tun oder zu lassen habe.

Die Gehirnforscher können diese verschiedenen Ich- und Bewusstseinszustände unterscheiden, weil sie bei Hirnerkrankungen oder nach Hirnverletzungen unabhängig voneinander beeinträchtigt sein können. In ihrer Gesamtheit bilden sie die Voraussetzung, dass wir uns und die Welt in Beziehung zu uns wahrnehmen können. Sie sind damit die funktionale Basis unseres Selbstbewusstseins. Doch wozu brauchen Wissenschaftler ein derart differenziertes Bild des Ichs? Weil es zeigt, dass viele verschiedene Komponenten verzahnt ineinander wirken müssen, um schließlich das auszumachen, was in unser Bewusstsein als Selbstbild eindringen kann. So wie das Gehirn selbst, das heute von vielen Fachleuten eher als Gebilde aus vielen verschiedenen Funktionssystemen denn als ein Organ beschrieben wird, ist auch das Selbstwertgefühl mehrdimensional zu betrachten. Es kann in verschiedenen Lebensumfeldern oder bezüglich spezieller Kenntnisse und Fähigkeiten bei ein und derselben Person sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Der Berliner Psychologe Jens Asendorpf hat Grundschüler auf ihr Selbstwertgefühl in sportlicher, sozialer und kognitiver Hinsicht untersucht. Er fand heraus, dass sich klare Unterschiede nachweisen lassen.

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Richard mit Doris und den Kindern Johanna und Luise(LKGS rechts)

Ritschie

07.09.2007,
22:01 Uhr

@ simone
 

Selbstbewusstsein stärken

3. Teil:


Die Forscher wissen heute auch, welcher Botenstoff in Sachen Selbstbewusstsein entscheidend ist: Dopamin. Menschen mit hohem Selbstbewusstsein haben einen hohen Spiegel im Blut, solche mit geringem einen niedrigeren. Die wichtige Rolle, die das Dopamin spielt, erklärt den Zusammenhang zwischen einem hohen Selbstwertgefühl und dem positiven Kreislauf, den es in Gang setzt. Der Botenstoff regt die grauen Zellen zur effizienten Verarbeitung von Informationen, zu Neugier und Fantasie und auch zur Lust auf Sex an.

Braucht es also nur eine chemische Substanz, damit wir uns selbstbewusster fühlen? Das wäre praktisch. Denn eine Dopamin-Ausschüttung lässt sich künstlich herbeiführen: mit Amphetaminen, Kokain, Alkohol und Nikotin etwa (Kokain erhöht den Dopamin-Spiegel im Blut auf das Dreifache, was den Kokser in den so typischen Größenwahn treibt). Doch es gibt einen Pferdefuß - selbst, wenn statt gefährlicher Rauschgifte geeignete Medikamente eingesetzt werden.
In einem berühmten Fall hatte der Neurologe Oliver Sacks seinem Patienten Leonard, den eine Gehirnentzündung als bewegungs-, antriebs- und interessenlose menschliche Hülle zurückgelassen hatte, mit dem Dopamin-ähnlichen Arzneimittel L-Dopa behandelt. Es war, als hätte Sacks ihn von den Toten auferweckt: Nach zwei Wochen war er ein anderer, berauscht von der Welt. Nach zwei Monaten schlug die Freude in unersättliche Gier nach Macht und Sex um. Leonard belästigte die Schwestern. In nur drei Wochen schrieb er seine Autobiografie von mehreren hundert Seiten. Er raste und verfiel in
Irrsinn. Da setzte Sacks das Medikament ab - der Patient versank wieder in Starre.

Unsere Psyche ist kein Chemiebaukasten, auch wenn chemische Substanzen unser Fühlen und Handeln bestimmen. So groß die Versuchung auch sein mag: Tabletten und Drogen können uns nicht auf Dauer helfen, ein selbstbewussterer und glücklicherer Mensch zu werden. Wer sich im Kokainrausch dank des hohen Dopamin-Spiegels als sexuell unglaublich anziehender Geistesriese fühlt, wacht am nächsten Tag als Normalo auf. Was Gene und frühkindliche Erlebnisse unserer Persönlichkeit eingeprägt haben, ist so leicht nicht zu ändern.

Und das ist biologisch sinnvoll. Denn wir sind dazu konstruiert, in einer komplexen Welt zu überleben. Wenn wir morgens aufwachen, müssen wir überzeugt sein, dass die Welt noch immer dieselbe ist und auch wir selbst noch dieselbe Person sind. Der Kern unseres Selbst ist vor mutwilligen Manipulationen
geschützt - niemand kann per freier Willensentscheidung ein neuer Mensch werden. Dennoch gibt es Möglichkeiten, mit dem Vorhandenen wesentlich zufriedener zu werden. Der Schlüssel liegt darin, dass unser Selbstwertgefühl in ständigem Kontakt mit der Umwelt neu eingepegelt wird - da lässt sich oft
vieles nachhaltig verbessern.

Das Selbstbewusstsein bestätigt sich in der Kommunikation mit anderen. Soziale Geborgenheit und unser Netz von Beziehungen können es stärken: Liebenswert und anderen Menschen ein zuverlässiger Partner zu sein bewirkt ein gutes Selbstwertgefühl. Ein entscheidender Rat ist daher, in Beziehungen zu investieren und sie zu pflegen. Der eher Schüchterne sollte neue Kontakte dort suchen, wo die geringsten Schwellenängste lauern: Wer sich am Arbeitsplatz gehemmt fühlt, weil er seine Kollegen stark als Wettbewerber empfindet, sollte zum Beispiel nach einem Hobby suchen, bei dem er Menschen trifft, mit denen er zwangloser umgehen und gemeinsam Freude erleben kann.


Aufgaben zu erfüllen und andere zu übertreffen schafft Selbstbestätigung - das ist schon bei Schulkindern deutlich erkennbar und wird an wenigen Orten so offensichtlich wie in der Arbeitswelt. Hier verwirklicht sich der moderne Mensch, sucht Anerkennung, füllt sein Leben mit Sinn. Das ist in Ordnung - solange Mensch und soziales Umfeld zusammenpassen. Denn das Anspruchsniveau, in dem wir uns bewegen, kann unser Selbstwertgefühl erheblich stärken oder schwächen. Im Schulalter ist dies bereits nachweisbar, wie Jens Asendorpf ausführt: "So haben im klassischen deutschen Schulsystem gegen Ende der Grundschulzeit spätere Gymnasiasten ein positiveres Selbstwertgefühl als spätere Hauptschüler, weil sie in ihrer Klasse überdurchschnittliche Noten haben.
Nach dem Übergang ins Gymnasium wechseln sie jedoch die Bezugsgruppe. In der neuen Gruppe sind sie im Vergleich zu ihren Klassenkameraden nicht mehr besser, sodass ihr Selbstwertgefühl relativ zu den Hauptschülern zwischen der 4. und 5. Klasse sinkt. Hauptschüler haben in der 6. Klasse im Durchschnitt ein genauso positives schulisches Selbstwertgefühl wie Gymnasiasten, weil sich die Schüler eines Typs nur noch untereinander in ihren Leistungen vergleichen."

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Richard mit Doris und den Kindern Johanna und Luise(LKGS rechts)

Ritschie

07.09.2007,
22:04 Uhr

@ simone
 

Selbstbewusstsein stärken

4. Teil:

Dieses Prinzip lässt sich verallgemeinern: Ein kompetenter Fliesenleger hat eine größere Chance auf ein selbstzufriedenes Dasein als ein talentloser Physiker. Wer sich ständig überfordert fühlt, sollte darüber nachdenken, ob sich nicht eine Tätigkeit mit einem besser zu bewältigenden Anforderungsprofil finden lässt - chronische Unterforderung ist dem Selbstwertgefühl freilich ebenfalls nicht zuträglich.

Eine bedeutende Rolle spielen Wertorientierungen. Vielen Menschen sind Achtsamkeit, Mitmenschlichkeit, Zuverlässigkeit und Echtheit wichtig. "Werte zu verwirklichen, die wir als verpflichtend für unser Leben verstehen", konstatiert die Zürcher Psychologin Verena Kast, "gibt uns das Gefühl, ein
wertvolles Leben zu führen, es gibt uns ein gutes Selbstwertgefühl." Sehr nützlich kann es daher sein, sich in einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu engagieren. Funktional gesehen ist es völlig gleichgültig, ob es sich um Greenpeace, eine Kirchengemeinde oder die CSU handelt. Entscheidend ist nur, dass wir an die Richtigkeit der gemeinsamen Werte glauben.

Eine wichtige Stütze des Selbstbewusstseins sind auch Fantasien - das, wovon wir träumen. Es verhilft uns nicht nur zu einem Selbstbild, das positiver ausfällt als das Bild, das andere von uns haben. Träume reflektieren auch andere Lebensentwürfe, die wir hätten verwirklichen können oder tatsächlich
verwirklichen wollen. Die Idee einer besseren Zukunft macht es uns leichter, Negatives in unserem Leben zu hinterfragen und zu ändern.
So viele Chancen für gute Gefühle! Je zahlreicher die Quellen sind, aus denen sich unser Selbstbewusstsein speist, umso belastbarer ist es. Dabei spielt offenbar, wie die Chemnitzer Psychologieprofessorin Astrid Schütz in zahlreichen Interviews herausfand, auch die Fähigkeit zur Selbstkritik eine große Rolle. Menschen, die ihre Schwächen kennen und sie als Bestandteil ihrer
Persönlichkeit angenommen haben, können deutlich besser mit Kritik umgehen und sind von der positiven Bewertung anderer weniger abhängig.
Das hilft enorm.

Unser Selbstbewusstsein muss eine ganze Menge aushalten können. Die wichtigsten Bedrohungen im Alltag sind Kritik, vor allem wenn sie ungerechtfertigt ist, und das Gefühl, unverstanden, abgewertet oder vernachlässigt zu sein. Aber das ist ja bei weitem noch nicht alles. Zum Schwur kommt es, wenn wir eine Identitätskrise durchstehen müssen: wenn wir den Arbeitsplatz verlieren und keinen neuen finden; wenn die Kinder aus dem Haus gehen; wenn unser Körper aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr gehorcht wie zuvor; wenn der Partner uns verlässt; wenn ein Mensch, der uns
besonders nahe steht, stirbt. Diese Erlebnisse wirken besonders dramatisch, wenn sie das Zentrum unserer Identität berühren, den Bereich unserer Persönlichkeit, der unser Selbstwertgefühl besonders stark gespeist hat. "Wer bin ich jetzt noch?", lautet die Frage eines Sportlers, der im Wettkampf Erfüllung fand und bei einem Unfall Invalide geworden ist. Solche Krisen sind verbunden mit einem schlechten Selbstwertgefühl und dem Verlust von Selbstvertrauen, womöglich sogar mit dem Gefühl, das ganze Leben könnte misslingen.

Die einen wissen, dass sie sich wieder aufrappeln werden, die anderen sind sich ihrer nicht sicher und neigen zur Resignation. Das Selbstbewusstsein entscheidet letztlich darüber, ob wir eine Identitätskrise durchstehen oder zerbrechen. Droht diese Gefahr, ist es höchste Zeit, Hilfe von außen anzunehmen.

Wenn wir eine Krise bewältigt haben, gehen wir gestärkt aus ihr hervor. Das mag einer der Gründe sein, warum viele Menschen, die wieder und wieder mit sich ringen und an sich selbst arbeiten, auch noch im Laufe ihres Lebens ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln.

Sven Rohde

Mitarbeit: Ingrid Lorbach Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Astrid Schütz, Institut für Psychologie, TU
Chemnitz

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Richard mit Doris und den Kindern Johanna und Luise(LKGS rechts)

geraldas

28.01.2010,
01:09 Uhr

@ Ritschie
 

Selbstbewusstsein stärken

» 4. Teil:
»
» Dieses Prinzip lässt sich verallgemeinern: Ein kompetenter Fliesenleger hat
» eine größere Chance auf ein selbstzufriedenes Dasein als ein talentloser
» Physiker. Wer sich ständig überfordert fühlt, sollte darüber nachdenken, ob
» sich nicht eine Tätigkeit mit einem besser zu bewältigenden
» Anforderungsprofil finden lässt - chronische Unterforderung ist dem
» Selbstwertgefühl freilich ebenfalls nicht zuträglich.
»
» Eine bedeutende Rolle spielen Wertorientierungen. Vielen Menschen sind
» Achtsamkeit, Mitmenschlichkeit, Zuverlässigkeit und Echtheit wichtig.
» "Werte zu verwirklichen, die wir als verpflichtend für unser Leben
» verstehen", konstatiert die Zürcher Psychologin Verena Kast, "gibt uns das
» Gefühl, ein
» wertvolles Leben zu führen, es gibt uns ein gutes Selbstwertgefühl." Sehr
» nützlich kann es daher sein, sich in einer ehrenamtlichen Tätigkeit zu
» engagieren. Funktional gesehen ist es völlig gleichgültig, ob es sich um
» Greenpeace, eine Kirchengemeinde oder die CSU handelt. Entscheidend ist
» nur, dass wir an die Richtigkeit der gemeinsamen Werte glauben.
»
» Eine wichtige Stütze des Selbstbewusstseins sind auch Fantasien - das,
» wovon wir träumen. Es verhilft uns nicht nur zu einem Selbstbild, das
» positiver ausfällt als das Bild, das andere von uns haben. Träume
» reflektieren auch andere Lebensentwürfe, die wir hätten verwirklichen
» können oder tatsächlich
» verwirklichen wollen. Die Idee einer besseren Zukunft macht es uns
» leichter, Negatives in unserem Leben zu hinterfragen und zu ändern.
» So viele Chancen für gute Gefühle! Je zahlreicher die Quellen sind, aus
» denen sich unser Selbstbewusstsein speist, umso belastbarer ist es. Dabei
» spielt offenbar, wie die Chemnitzer Psychologieprofessorin Astrid Schütz in
» zahlreichen Interviews herausfand, auch die Fähigkeit zur Selbstkritik eine
» große Rolle. Menschen, die ihre Schwächen kennen und sie als Bestandteil
» ihrer
» Persönlichkeit angenommen haben, können deutlich besser mit Kritik umgehen
» und sind von der positiven Bewertung anderer weniger abhängig.
» Das hilft enorm.
»
» Unser Selbstbewusstsein muss eine ganze Menge aushalten können. Die
» wichtigsten Bedrohungen im Alltag sind Kritik, vor allem wenn sie
» ungerechtfertigt ist, und das Gefühl, unverstanden, abgewertet oder
» vernachlässigt zu sein. Aber das ist ja bei weitem noch nicht alles. Zum
» Schwur kommt es, wenn wir eine Identitätskrise durchstehen müssen: wenn wir
» den Arbeitsplatz verlieren und keinen neuen finden; wenn die Kinder aus dem
» Haus gehen; wenn unser Körper aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr
» gehorcht wie zuvor; wenn der Partner uns verlässt; wenn ein Mensch, der
» uns
» besonders nahe steht, stirbt. Diese Erlebnisse wirken besonders dramatisch,
» wenn sie das Zentrum unserer Identität berühren, den Bereich unserer
» Persönlichkeit, der unser Selbstwertgefühl besonders stark gespeist hat.
» "Wer bin ich jetzt noch?", lautet die Frage eines Sportlers, der im
» Wettkampf Erfüllung fand und bei einem Unfall Invalide geworden ist. Solche
» Krisen sind verbunden mit einem schlechten Selbstwertgefühl und dem Verlust
» von Selbstvertrauen, womöglich sogar mit dem Gefühl, das ganze Leben könnte
» misslingen.
»
» Die einen wissen, dass sie sich wieder aufrappeln werden, die anderen sind
» sich ihrer nicht sicher und neigen zur Resignation. Das Selbstbewusstsein
» entscheidet letztlich darüber, ob wir eine Identitätskrise durchstehen oder
» zerbrechen. Droht diese Gefahr, ist es höchste Zeit, Hilfe von außen
» anzunehmen.
»
» Wenn wir eine Krise bewältigt haben, gehen wir gestärkt aus ihr hervor. Das
» mag einer der Gründe sein, warum viele Menschen, die wieder und wieder mit
» sich ringen und an sich selbst arbeiten, auch noch im Laufe ihres Lebens
» ein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln.

hier gibts auch infos zum thema selbstbewusstsein: http://www.selbstbewusstsein-staerken.net

»
» Sven Rohde
»
» Mitarbeit: Ingrid Lorbach Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Astrid
» Schütz, Institut für Psychologie, TU
» Chemnitz

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